Frühsommer 2015: Amsterdam und mehr -

Radeln im Herzen der Niederlande


Vorabbericht: 3/4 der Bilder fehlen noch.


Nachdem ich 2014 sehr entspannt in den nördlichen Niederlanden unterwegs war, hatte ich natürlich Lust auf mehr bekommen. So wurde auch im Jahr 2015 eine "Fahrradkur" eingeplant. Das Wort "Fahrradkur" ist durchaus wörtlich nehmen. Wer das oft recht ruppige und zum Teil auch aggresive Kasseler (Rad)Verkehrsklima kennt, dem kann ich eine jährliche "Fahrradkur" in einem fahrradfreundlichen Land, wie den Niederlanden, nur empfehlen.

2015 war wieder Swen Schneider mit dabei, der mich als Stadtplaner informativ durch Amsterdam geführt hat. Dafür an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön. Sonst war 2015 noch Sandy mit an Bord. Dazu aber später mehr.

Wie schon 2014 waren wir wieder mit Rad&Zelt unterwegs. Von Kassel ging es mit dem Intercity via Hannover bis Amersfoort. Hier startete unsere Tour durch die nördliche Rannstad.

Landesweite Informationen

  • Landesweite Radtouristikseite "nederlandfietsland.nl" (deutsche Ausgabe)
  • Dutch Cycling Embassy (englisch) - Die Niederländische Fahrradbotschaft ist ein Expertennetzwerk u. a. aus Forschungsinstitutionen, Planungsbüros, Firmen aus der Fahrradwirtschaft und Kommunen. Unter dem Motto "the world's cycling experts" vermarktet das Netzwerk weltweit die Kompetenz der Niederlande im Radverkehr. Falls Sie mit einer interessierten Delegation z. B. aus Politik oder Verwaltung die Niederlande für eine "Radverkehrsexkursion" besuchen möchten, erhalten Sie hier entsprechende Auskunft. Lesenswerter Bericht über die "Dutch Cycling Embassy" auf deutschlandradiokultur.de: "Niederländische Fahrrad-Lobby - Damit die ganze Welt Pedale tritt".
  • Video Cycling for Everyone - Der niederländische Weg zur Fahrradnation aufgezeigt durch die Dutch Cycling Embassy. Man beachte vor allem den wichtigen Zusammenhang: Steigender Radverkehr - fallende Unfallzahlen! Das kann ich nur bestätigen. In den Niederlanden herrscht heute ein sehr entspanntes Verkehrsklima, in dem man sich als Fahrradfahrer wirklich sicher fühlt! Viele Städte in Deutschland (darunter auch Kassel) sind davon leider meilenweit entfernt...
  • Dutch Cyclists' Union - Der Niederländlische Fahrradbund ist mit 35.000 Mitgliedern die dortige Partnerorganisation des ADFC im ECF (Seite in niederländisch mit englischer Zusammenfassung).
  • Landesweiter Radroutenplaner des Fietserbonds
  • Road Traffic Signs and Regulations in the Netherlands - Broschüre des Ministeriums für Infrastruktur und Umwelt zur niederländischen STVO und den Verkehrszeichen (englisch).

The Nederlands - Cycling For Everyone

Eine Dokumentation der Niederländischen Fahrradbotschaft (The Dutch Cycling Embassy) zur Entwicklung der dortigen Fahrradkultur:



1. Tag: Hinfahrt und von Amersfoort nach Houten


Mit dem Wetter ging es schon einmal "gut" los: Nachdem es bereits beim Umstieg in Hannover etwas geregnet hatte, wurde es am Bahnhof Amersfoort dann richtig "feucht". Aber wir wollten natürlich los. Also denn Regenponcho angelegt und rein in den Regen...


Feuchte Witterung während des Umstiegs in Hannover. Da 40 Minuten Zeit war, ging es kurz vor den Bahnhof. Unter den dichten Platanen war es schön trocken.



Während des Halts in Deventer konnte aus der Bahn dieses sicher rund drei Meter hohe "Rennraddenkmal" erspäht werden.



Start der Fahrt am Bahnhof Amersfoort. Bevor es zum ersten Ziel, der historischen Stadtmitte von Amersfoort ging, warteten wir hier den stärksten Regen ab.



Bereits wenige Meter nach dem Start konnte ein erstes Radverkehrsdetail begutachtet werden und zwar zum Thema Radverkehrssicherheit: Ein weiss hervorgehobener Bordstein beim baulichen Übergang von einem Zweirichtungsradweg zu einer Einrichtungsfahrbahn. Das wichtige Detail ist rechts im Bild zu erkennen.

Auch sonst kann man hier sofort die aufgeräumte, gut geordnete Radverkehrsplanung der Niederlande erkennen: Bauliche Trennung Radfahrer / Fußgänger und getrennte Ampelfurten für den Rad- und Fußverkehr.



Der oben angesprochene, bauliche Übergang Zweirichtungs-/ Einrichtungsradweg im Detail: Der markante, weisse Bordstein ist gut zu erkennen.



Altstadt Amersfoort

Panorama Marktplatz Amersfoort: Nach dem Regen lacht bereits hier wieder die Sonne. Für Stadtplaner ist der gemütliche Marktplatz ein Musterbeispiel für eine mehr belebte Innenstadt. Jetzt gerade nach dem Regen ist der Platz allerdings ein "Möbelstillleben" (Panorama erstellt mit Autostitch).



An einer engen, vom Marktplatz abzweigenden Gasse fiel mir dieses Schild auf. Handelt es sich dabei um ein Abstellverbot für Fahrräder? Das würde in der engen Fußgängergasse Sinn ergeben. Google übersetzt "Uitgezonderd in de rekken of klemmen" mit "Außer in den Gestellen oder Schellen". Also eine Zone, in der Fahrräder nur an offziellen, montierten Abstellanlagen abgestellt werden dürfen? Diese Seite liefert schließlich die Bestätigung: Es handelt sich in der Tat um einen Hinweis auf eine Zone, in ein Radabstellverbot für "wildes Fahrradparken" gilt - ausgenommen sind, wie schon festgestellt, offizielle Abstellanlagen.



Über einen komfortablen Zweirichtungsradweg entlang der Straße "Barchman Wuytierslaan" (Geo 52.15210 5.35829) verließen wir Amersfoort. Der selbständig geführte, benutzungspflichtige Radweg ist 3 m breit. Links gibt es einen, durch niedrigen Bordstein abgegrenzten Fußweg. Dieser separate Fußweg misst rund 2 m Breite. Die untergeordneten Einmündungen der Vorfahrtsstraße "Barchman Wuytierslaan" besitzen bauliche Aufpflasterungen. So ist der fahrbahnähnliche Radweg auch an den Einmündungen recht sicher geführt (Aufpflasterungen siehe auch hier in Google-Streetview). Zusätzlich gibt es auf der Aufpflasterung noch weiße Fahrradpiktogramme mit Pfeilen, die auf den Zweirichtungsradverkehr hinweisen. Die Führung als Zweirichtungsradweg macht hier an der Barchman Wuytierslaan Sinn, da sich fast alle Wegebeziehungen des Radverkehrs südlich der Straße abspielen. Nördlich liegen nur wenige Häuser - gleich dahinter kommt die Bahn.

Wie sonst im Bild bzw. in Google Streetview zu sehen, gibt es nur auf der nördlichen Seite ein paar wenige Parkbuchten. In Deutschland würde man bei solch einer ähnlichen Straßenplanung wahrscheinlich vielerorts beidseitig Parkbuchten vorsehen... Und dann hätte man evtl. nur noch Platz für Schutz-/ Radstreifen mit Autotürenproblem auf der Fahrbahn oder einen kombinierten Rad- und Fußweg mit Konflikten zum Fußgängerverkehr... Auch von dieser Seite her ist die niederländische Planung hier vorbildlich: Die Schutzbedürfnisse des fließenden, nichtmotorisieren Verkehrs wurden über die Bedürfnisse des ruhenden Verkehrs gestellt. Dieser Zweirichtungsradweg am Barchman Wuytierslaan ist nun aber kein vorbildlicher Ausnahmefall in den Niederlanden, sondern landesweit bei neueren Straßenplanungen einfach Standard!



Dünen von Soesterberg

Von Amersfoort ist es nicht weit zu den Binnendünen bei Soesterberg (nl: "Soistduinen"). Diese Sandlandschaften liegen auf einem hügeligen Geestrücken, der mit Wäldern bedeckt ist. in einigen Bereichen kann sich der Flugsand noch frei zwischen den Kiefernwäldern entfalten.



Dadurch ergeben sich teils steppen-/wüstenartige Landschaftsansichten, die man sonst nur aus fernen Ländern kennt.



In diese kleinteilige "Sandwaldlandschaft" wurden attraktive, gut befestigte Radwege gelegt. Die oft betonierten oder asphaltieren Routen wurden gut in das hügelige Gelände eingepasst.



Blick von einem kleinem Aussichtspunkt (nah der Radroute) über die Flugsandlandschaft mit ihren Heideanteilen.



Zum Schluss noch der Blick über dieses imposante Flugsandfeld. Die vorderen Kiefern stehen direkt im "nackten Sand".



Park Vliegbasis Soesterberg

Bei 52.1298 5.2881 erreichten wir den Eingang zum Park Vliegbasis Soesterberg. Im kalten Krieg waren auf diesem Luftwaffenstützpunkt sogar Nuklearwaffen stationiert. Heute ist das Gelände ein Erholungsgebiet mit Natuschutzflächen. Das nationale Militärmuseum der Niederlande hat jetzt auf dem Gelände seinen Sitz. Info in niederländisch: www.vliegbasissoesterberg.info.



Der "Wethouder Lemmenpad" (Name nach Openstreetmap) führt über die Weiten des Geländes zur ehemaligen Start- und Landebahn. Nach dem das Wetter in den Dünen noch gehalten hatte, kündigte sich hier mit schweren Wolken bereits der nächste Schauer an.



Große Teile des Park Vliegbasis Soesterberg sind als Naturschutzfläche abgesperrt. Hier ein Blick über eine geschützte Fläche mit Infotafel.



Zoom über die Absperrung: Auf der ehemaligen Start- und Landebahn wurde der evtl. breiteste Radweg der Welt "markiert".



Diese "Radpiste" ist aber zur Brutsaison der Vögel zwischen dem 15. März und 30. Juli geschlossen. Rechts ist das Gebäude des nationalen Militärmuseums zu sehen. So fuhren wir quer über die Piste Richtung Ortslage Soesterberg weiter. Beim Verlassen des ehemaligen Flugplatzes erwischte uns dann der schon drohende Schauer. Regenschutz musste also mal wieder angelegt werden...



Nach dem Regen lachte bald wieder die Sonne. Von Soesterberg radelten wir entlang der Nationalstraße 237 Richtung De Bilt. Unterwegs fand sich dieses Motiv: Die wohl barrierefreie Bushaltestelle ist durch ein Geländer sicher vom Zweirichtungsradweg getrennt. Die Radververkehrsanlage ist durch den Asphalt klar als solche zu erkennen, da der Fußgängerbereich durch das Pflaster abgegrenzt wurde.



Radschnellweg De Bilt - Unicampus Utrecht De Uithof

Am Ortsarand von De Bilt bogen wir nach Süden auf den Radschnellweg De Bilt <-> Unicampus Utrecht De Uithof ein. Diese unterquert bei Geo 52.0930 5.1777 die Autobahn A28: die Unterführung besitzt getrennte Bereich für den Rad- und Fußverkehr. Ferner besitzt die Unterführung einen komplett geraden Durchstich, so dass Augsträume vermieden werden. Und als längeres Bauwerk wurde die Deckelung in mehreren Bereichen nach oben hin geöffnet (jeweils zwischen den "Armen" der Autobahn).



Am Unicampus De Bilt findet sind diese Radfurt in XXL-Ausführung. Dieses Motiv zeigt selbst in den Niederlanden eine Ausnahmebreite: Des Rätsels Lösung findet sich in älteren Luftbildern: Es handelt sich um eine ehemalige Busspur, die heute komplett als Radfahrbahn genutzt wird (Geo 52.08476 5.17673).



Unicampus De Bilt: Breite Radfahrbahn an der Straße Heidelberglaan. Hier gilt das Fahrrad als vollwertiges Fahrbahnverkehrsmittel! Und eine komfortable und sichere Radfahrbahn ist natürlich um Längen besser als Mischverkehr auf der KFZ-Fahrbahn oder der in Deutschland leider immer noch oft zu findende "Bordsteinradwegeschrott" (Geo 52.08483 5.17525).



Fahrradmodellstadt Houten

Die Fahrradmodellstadt Houten besitzt in den sowieso schon sehr fahrradfreundlichen Niederlanden noch einmal eine herausragende, planerische Qualitätsstufe. In den 1980/1990er Jahren erweiterte man das 15 km südlich von Utrecht gelegene Dorf "Houten" zu einer heute 48.000 Einwohner zählenden Stadt. Wer sich das Erschließungsmuster von Houten in Openstreetmap näher ansieht, stellt Folgendes fest: Vom zentralen Stadtplatz bei Geo 52.0357 5.1698 führt sternförmig ein hochweriges Radverkehrsnetz zusammen mit Fußgängerachsen direkt in die Siedlungen. Der KFZ-Verkehr muss dagegen zwischen den einzelnen Quartieren eine Ringstraße am Stadtrand nutzen. Das Verkehrsnetz KFZ <-> Fahrrad / Zu Fuß wurde in Houten raumplanerisch quasi invertiert: Kurze Wege für die stadtverträgliche Nahmobilität per Fahrrad/zu Fuß und längere Wege für das platzintensivere und schneller fahrende KFZ. Die hier vollzogene Trennung der Verkehrswege ging also nicht, wie meist in KFZ-freundlichen Städten sonst üblich, zu Lasten das Rad- und Fußverkehrs. Sonst besitzt Houten schon einen zweiten Siedlungskern, der nach ähnlichem Muster aufgebaut wurde. Einen lesenswerten Vortrag über Houten von 2008 findet man hier auf der Seite des Nationalen Radverkehrsplans.

Die abendliche Stadtrundfahrt in Houten fiel leider zu großen Teilen ins Wasser. Auf dem Rückweg zum Zeltplatz regnete es dann nur noch in Strömen...



Houten Zentrum bei Geo Geo 52.03409 5.16598: Blick am Imkerpad Richtung Stadtmitte. Der Imkerpad ist eine der "Hauptstraßen" für den nichtmotorisierten Verkehr, die sternförmig zum Stadtplatz "Her Rond" verlaufen. Statt Verkehrslärm und KFZ-Schlangen finde sich hier großzügige, ruhige Fußgängerbereiche und eine kompakte Fahrbahn für den Radverkehr. Die wellenförmigen Betonelemente vorne im Bild dienen vor den Einmündungen der dynamischen Geschwindigkeitsreduzierung des stadteinwärts fahrenden Radverkehrs. Dieses weiss markierte Dämpfungssystem lässt sich mit mäßiger Geschwindigkeit gut durchfahren. Fährt man schneller, animieren einem die eingebauten Wellen wirkungsvoll zum Abbremsen. Im Hintergrund die S-Bahnstation mit lichter, offener Unterführung.



Grünzug als Hauptverkehrsachse



Houten: Fietstransferium an der Bahnstation: Aufgrund des windigen und regenerischen Wetters, war die kurze Besichtigung des Fahrradparkhaus sehr angenehm. Der direkt unter der Bahnstation liegende Bau fasst laut Openstreepmap 2500 Räder.



Brücke über die Ringstraße nahe Amsterdam-Rhein-Kanal: Abendstimmung bevor der große Regen kam...



Blick auf die architektonisch ansprechende Rad- und Fußgängerbrücke über der Ringstraße.



Baumallee am Amsterdam-Rhein-Kanal: Endpunkt der Rundfahrt durch Houten. Ein langer Tag ging hier zu Ende. Auf dem Rückweg zum Zeltplatz schüttete es dann endgültig wie aus Kübeln. Daher gibt es keine Bilder mehr.




2. Tag: Houten - Utrecht - Polderlande


Von Houten radelten wir durch Utrecht in die "Polderlande". Der ursprungliche Plan sah eine Etappe von 70 bis 80 km bis Haarlem vor. Aufgrund des Regenwetters kamen wir aber erst gegen 12 Uhr weg. Dann gab es weitere Schauer und vor allem auch noch einen strammen Gegenwind. So entschieden wir uns kurz vor 18 Uhr nach etwa 60 % der Strecke auf einem Zeltplatz in den Polderlanden zu übernachten.

Im Rahmen des Stadtumbaus am Hauptbahnhof entsteht bis 2018 das größte Fahrradparkhaus der Welt. Der Bau soll 12.500 Fahrradstellplätze bereitstellen. Bei der Konzeption wurde wert auf eine "sozialsichere Gestaltung" gelegt. So soll zum Beispiel viel Tageslicht in den dreietagigen Bau geführt werden. Die erste Stufe das Parkhauses soll 2016 den Betrieb aufnehmen. Zum Jahr 2018 wird dann das gesamte Radparkhaus fertig sein. Das Gebäude in der Animation:



Fahrradabstellviertel auf Zeit in der Nähe von Utrecht Hauptbahnhof: Hier sind also in der Tat eine Menge Fahrräder in einem zukünftigen Radparkhaus unterzubringen.



Das Fahrradparkhaus ist Teil eines größeren Stadtumbau- bzw. eines umfangreichen "Stadtreparaturprojekts" im Bereich des Utrechter Hauptbahnhofes: Unter anderen wurde hierbei eine Bausünde der autogerechten Stadt rückgängig gemacht. Und zwar hatte man in den 1970er Jahren eine rund einen Kilometer lange kreuzungsfreie "Schnellstraße" in einen Teil des historischen Kanalrings der Altstadt gebaut. Diese "stadtautobahn" blieb glücklicherweise eine Insellösung, da Urtrecht bald darauf den Weg in Richtung zukunftfähige, städtische Mobilitätsplanung einschlug. Ende 2015 war so der Kanalring um die Altstadt wieder geschlossen. Diese Geschichte wird im folgenden Video von Bicycledutch informativ im Bild dargestellt:



Knoten Kanaalstraat / Westplein nordwestlich Utrecht Hauptbahnhof bei Geo 52.09186 5.10467 Panoramablick auf die Radinfrastruktur an diesem Knoten. Die Radverkehrsanlagen sind hier als hochwertige, breite, separate Radfahrbahnen angelegt.



Utrecht - Hogeweidebrug am Amsterdam-Rhein-Kanal bei Geo 52.09770 5.07427: Von der Stadtmitte kommend querten wir hier die Wasserstraße Richtung Stadterweiterung Leidsche Rijn. Rampen für den Radverkehr werden in den Niederlanden natürlich komfortabel und sicher fahrrbar angelegt. Dies ist ein schönes Beispiel dafür. Wahrscheinliche Kurvendaten nach Luftbildanalyse: Der Radius beträgt bezogen auf die Mittellinie etwa 5 m. Die Fahrbahnbreite liegt bei rund 3,5 m. Damit stehen pro Fahrspur sichere 1,75 m zur Verfügung. Die Kehren sind mit Reflextoren abgesichert. Ferner ist die Strecke beleuchtet.

Neben dieser Route bindet die Stadt Utrecht die westliche Neustadt um den neuen Kern Leidsche Rijn mit einer komplett neuen, direkt Radroute an das Zentrum an. Dafür wird aktuell in 2016 bei Geo Geo 52.0878 5.0812 die Dafne Schippersbrug (Info Architekten) über den Amsterdam-Rhein-Kanal errichtet. Animationsvideo der östlichen Brückenauffahrt, die in ein Gebäude integriert ist:




3. Tag: Aus den Polderlanden nach Haarlem


An diesem Tag wurde das Wetter endlich attraktiv! So waren die restlichen 30 bis 35 km schön zu fahren. Swen absolvierte nachmittags noch eine Tour an die Küste. Ich erholte mich lieber auf eine Nachmittagssiesta im Zelt. Das er von den beiden Vortagen nicht so geschafft war, war auch kein wunder, denn ich hatte ihm ja mein Pedelec leihweise als Geburtstagsgeschenk für diese Urlaubstage überlassen.

Es lacht endlich wieder die Sonne! Kanalszene "in den Polderlanden" bei De Hoef.



Nach Fahrt über die A4 erreichen wir das neue Büro- und Geschäftsviertel von Hoofdorpp an der Schellbahnstation. Der Zweirichtungsradweg ist durch einen farbigen Pflasterbelag sofort klar erkennbar und hebt sich so gut vom Fußbereich ab.



Wenige Meter weiter: Verkehrsstillleben am Knoten Taurusavenue Ecke Mercuriusplein bei Geo Geo 52.29189 4.69984. Während der Arbeitszeit gegen 13:30 Uhr war sehr wenig los: Im Bereich der Lichsignalanlage sind die Radverkehrsanlagen für die sichere Trennung Fuß- und Radverkehr als klar erkennbare Radfahrbahnen angelegt worden: niedriges, abgeschrägtes Hochbord zu den Bürgersteigen und markantes Farbpflaster. Im Bereich der Ampelfurten finden sich markante Fahrbahnmarkierungen. Statt farbigem Asphalt wurden hier mal Pflastersteine für die Radfahrbahnen verwendet.




4. Tag: Amsterdam


Per Rad ging es von Haarlem an den Rand der Innenstadt. Nahe des Reichsmusems stellten wir die Räder. Von hier entdeckten wir das weltbekannte, lebendige Zentrum der niederländischen Metropole zu Fuß. Das Amsterdamer Zentrum besitzt mit seinen oft engen Straßen eine sehr hohe Verkehrsdichte. Es sind sehr viele Radler und Fußgänger unterwegs - dazwischen oft die Straßenbahnen. Ferner trift man natürlich auch noch auf KFZ.

Die 750.000 Einwohner zählende Metropole besitzt laut TEMS - The EPOMM Modal Split Tool folgende Wegeanteile im Verkehr: Zu Fuß: 20%; Fahrrad: 22 %; ÖPNV: 20%; MIV: 38 % (Datenstand 2008). Zahlenmäßig ist amsterdam damit keine Fahrradstadt, aber im Sommer 2015 besaß die Stadt für mich ganz klar das "Flair" einer Fahrradstadt. Im belebtem Zentrum prägten Fußgänger, Radler und der ÖPNV klar das Stadtbild.

Für viele der internationalen Gäste gehört so eine Stadtrundfahrt per Fahrrad zum "Pflichtprogramm". Man erkennt diese radfahrenden Gäste oft an ihren auffällig lackierten Leihrädern. Viele dieses Gäste sind wohl keine routinierten Radfahrer, sondern steigen in Amsterdam oft seit längerem das erste Mal wieder auf den Sattel.

Für diese Zielgruppe wurde extra ein offizielles "Lehrvideo" angefertigt. Hier liefert in Englisch der nierländische Komiker Maxim Hartman Hinweise zum Radeln in Amsterdam... :




Radwegekreuzung an der Theophile de Bockstraat westlich des Vondelparks bei Geo 52.3549 4.8474: Der Bereich "Theophile de Bockstraat " ist der "Radverkehrssammler" für die Raddialroute durch den Vondelpark in Richtung Stadtmitte. Statt den umfangreicheren Radverkehr konfliktbehaftet mit KFZ-Senkrechtparkern in der Nebenstraße im Mischverkehr zu führen, hat man sich hier entschieden die Fahrradfahrer auf eine eigene Trasse hinter die KFZ-Parkplätze zu legen. Hauptverkehrsträger im Straßenzug "Theophile de Bockstraat" ist also der Radverkehr, dem mit diesem Querschnitt entsprechend Rechnung getragen wurde: Die Radwege sind durch den rostroten Asphalt klar erkennbar. Laut Messung mit Google Earth besitzten sie sehr wahrscheinlich eine Breite von 3,5 m. Der Fußgängerbereich links ist etwa 2,5 m breit. Die weisse "Tippmarkierung" kennzeichnet die Strecken als Zweirichtungsradwege. Die Fußgängerbereiche sind gepflastert und befinden sich links der Hauptroute. An der Radwegekreuzung ist durch entsprechende Haltemarkierungen die Vorfahrt geregelt (weisse Dreiecke als "Sinnbild" Vorfahrt achten). Radwegweisung steht rechts an der Laterne. Eine separate Beleuchtung besitzt die Route ebenfalls.



Vondelpark

Amsterdams prominenteste Parkanlage ist der Vondelpark. Der 47 Hektar große Erholungsbereich ist nach dem niederländischen Dramatiker Joost van den Vondel benannt. Das Projekt ging auf eine Privatiniative zurück und wurde ab 1864 auf einem unter dem Meeresspiegel liegendem Sumpfgebiet verwirklich. Der Park wurde als englischer Landsschaftpark konzipiert. 1865 wurde der Park als Nieuwe Park („Neuer Park“) der Öffentlichkeit übergeben. Bis 1953 gehörte die Anlage einem Parkverein. Dieser Schenkte sie dann der Stadt amsterdam, da der Verein die Unterhaltkosten nicht mehr schultern konnte. Heute kommen jährlich rund 10 Millionen Erholungssuche in den Vondelpark. Es gibt Spielplätze, Gastronomie und eine Freilichttheater mit drei Bühnen. Seit 2008 ist im Vondelpark übrigens Sex im öffentlichen Raum gestattet. Allerdnigs nur im Dunklen und nicht in der Nähe von Spielplätzen. 2014 feierte man 150 Jahre Vondelpark.

Das Radfahren ist auf den breiten, geteerten Wegen gestattet. Die kleineren geschotterten Wege sind dem Fußverkehr vorbehalten. Wer möchte kann dank Google Earth sogar auch virtuell durch den Vondelpark radeln/spazieren.

Im Vondelpark: Auf den 6 bis 8 m breiten, asphaltierten Hauptwegen ist das Radfahren gestattet.



Im Vondelpark: schöner Teichblick mit Fontäne.



Parkimpression mit Vondelparkpavillon: Im Gebäude hatte bis 2012 das Niederländische Filmmuseum seinen Sitz.



Die Parkanlage ist von Erholungssuchenden und durchfahrendem Radverkehr recht hoch frequentiert. Eine gern genutzte Radhauptroute führt von den westlichen Stadtteilen durch den Park in Richtung Amsterdamer Zentrum.



Vondelpark - Unterführung Vondelbrug bei Geo 52.36022 4.87684 : Eine Hauptverkehrsstraße mit Straßenbahnlinie quert so die Hauptparkachse. Diese Parkachse ist für den Radverkehr gleichzeitig eine wichtige Radialachse in Richtung Stadtmitte. In dieser breiten, einsichtigen Unterführung kommt kein “Engegefühl“ auf. Da der Bau im Durchstich einsehbar ist, ist die soziale Sicherheit gewährleistet.



Amsterdam Stadtmitte

Vondelpark Nordausgang Knoten Stadhouderskade mit Blick Richtung Stadtmitte bei Geo 52.36172 4.88162 : In Amsterdam ist viel los. Dies ist auf diesem Motiv gut zu erkennen. Hier eine baulich getrennte Zweirichtungsfurt für den Radfahrer Richtung Vondelpark bzw. zur Stadtmitte. Ohne eine solche fahrbahnähnliche Abwicklung des Radverkehrs an signalisierten Knotenpunkten würde in Amsterdam das große Chaos zwischen Fußgänger und Radfahrern ausbrechen. Die Fußgänger besitzen links und recht noch einmal extra angelegte, bauliche Furten. Der Stadtrundgang in der Kernstadt fand ab der Ecke Spiegelgracht / Lijnbaansgracht (Geo 52.36169/4.88717)dann zu Fuß statt. Und das war als Fußgänger auch schon stressig genug. Amsterdam ist eben eine sehr enge, lebendige Stadt. Generell ist zu sagen, das man über manche größere Radverkehrsanlage (z. B. über die im östlichen Bereich des Nieuwmarktes bei Geo 52.37220 4.90073 auch mal einen zusätzlichen Zebrastreifen anlegen sollte...). Hier war es als Fußgänger aufgrund des regen Radverkehrs schon recht schwer zu queren.



T-Knoten Stadhouderskade /Hobbermastraat wenige Meter östlich des oberen Motivs: Auch hier wieder die klare bauliche Trennung an einem signalisierten Knotenpunkt, die das relativ konfliktlose Abwickeln von höheren Radverkehrs- und Fußverkehrsströmen auch auf engerem Räumen ermöglicht: Vorne im bild die Radfahrbahn in klassisch rotem Asphalt, mit getrennten Aufstellbereichen für den geradeaus und den rechtsabbiegenden Radverkehr. Durch ein flaches Bord abgetrennt der Gehweg, der zusätzlich durch kleinteiliges, graues Pflaster auch noch einmal von der Struktur und farbig von der Radfahrbahn abgehoben ist. Der "freie Rechtsabbieger" für den Radverkehr besitzt für die Sicherung des Fußverkehrs einen angehobenen Überweg mit Zebrastreifen. Dieser ist zusätzlich mit taktilen Elementen gesichert.



Sogar durch das prominente Rijksmuseum kann geradelt werden. Das Rijksmuseum ist das niederländische Nationalmuseum für Geschichte. Durch das Gebäude führt eine viel genutzte Radroute vom Quartier "Oud-Zuid" in Richtung Stadtmitte.



Stadtszene mit parkenden Lastenrädern im Straßenraum. Vorne steht ein Lastenrad im Desgin "Holzpatine"



Alltag in der Fahrradstadt Amsterdam: Kindertransport per Lastenrad.



Grachtenblick mit violettem "Chopper-Fahrrad" an der Ecke Oudekennissteeg / Oudezijds Achterburgwal. laut Stadtführer Swen Schneider"ist das hier das Rotlichtviertel. Von daher passt die Fahrradfarbe ja ,-)




5. Tag: Rückfahrt mit Zwischenstopp Region Twente


Morgens fuhren wir auf gut ausgebauten Radrouten vom Campingplatz bei Haarlem schnell zum Hauptbahnhof Amsterdam. Hier bestiegen wir den Intercity Richtung Berlin. In Hengolo war ein 4-stündiger Aufenthalt eingeplant. Diesen nutzten wir, um den Radschnellweg F35 und die Nachbarstadt Enschede zu erkunden:


Radschnellweg auf dem Weg nach Amsterdam: Die 18 km zum HBF vergingen dank der sehr gut ausgebauten Radinfrasdtruktur fast wie im Flug.



Der Hauptbahnhof ist erreicht: Hier zum Schluss noch ein bekanntes Radverkehrsbild aus der Farradstadt Amsterdam: Das Fahrradparkhaus von "Amsterdam Centraal" mit seinen schrägen Ebenen. Der im Wasser stehende Bau besitzt 2500 Stellplätze.



Radschnellweg F35 entlang der Bahn zwischen Hengelo und Enschede. Dank dieses neuen Radschnellwegs sind die rund 10 km entfernten Zentren von Hengelo (81.000 Ew.) und Enschede (157.000 Ew.) für Radfahrende nun direkt auf einer attraktiven und schnellen Route verbunden. Projektseite: www.fietssnelwegf35.nl (nur niederländisch)



Hier rollt es! Radschnellweg F35 an der Bahn in Enschede. Rechts parallel ein geschotterter Fußweg. Wie bei den Kriterien für Radschnellwege vorgesehen, ist die Strecke mit einer Beleuchtung ausgestattet worden.



F35 - Einsteig in Enschede Eine besondere Serciveeinrichtung ist der “fliegende“ Abfallkorb mit Wurftechnik. Hier kann man während der Fahrt seinen Abfall los werden. Geo: 52.22151 6.86735



Radroute in einem Wohngebiet: In einem Grünzug findet sich diese Netzvariante. Die Trefferquote ist allerdings wohl nicht so berauschend... Geo: 52.21597 6.88145



offizielles Video der Region Twente in deutsch: Radschnellweg F35 - die Perlenkette von Twente



Nach diesem Zwischenstop in der Region Twente verlief die weitere Bahnrückfahrt ohne Probleme. Dies war also meine zweite Stippvisite im Fahrradland Niederlande.

Ich werde sicher wiederkommen, denn es gibt noch einiges zu entdecken. Im Bereich der Radinfrastruktur sind dies zum Beispiel: In der Region Amsterdam sind dies die große Fahrrad- und Fußgängerbrücke "Nesciobrug" und der Solarradweg bei Krommenie (Lage). In Endhoven der Hovenring sowie der Van Gogh-Roosegaarde Fietspad. Der 1 km lange Lichtkunstradweg (Video auf Youtube) ist hier auf OSM zu finden.

Im Bereich Tourismus: die Insel Terschelling, der Abschlussdeich des IJsselmeeres, der Keukenhof Tulpenpark (Ziel im Frühling), Burgers' Zoo und das nationale Freilichtmuseum Nederlands Opluchtenmuseum"" in Arnheim...




© Dirk Schmidt 01-11-2015 -> zurück zur Startseite

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