Notizen zur Elektromobilität in Deutschland


8. April 2016: Projekt Bio-Hybrid

Im März 2016 stellte der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler (rund 84.000 Mitarbeiter weltweit) sein Konzept für eine zukunftsfähige, urbane Mobilität vor - den Bio-Hybrid. Das 4-rädrige, vollgefederte Kleinfahrzeug besitzt ein Pedelec-Antriebssystem und kann damit führerscheinfrei genutzt werden. Mit Abmessungen von 2,1 m Länge und 0,8 m Breite kann es sich in die bestehende bzw. zu entwickelnde Radinfrastruktur einpassen. Das Fahrzeug besitzt eine alltagstaugliche Sitzhöhe, die eine gute Übersicht im Verkehr gewährleistet. Ein variabler Wetterschutz mit einfaltbarem Dach wurde ebenfalls realisiert. Hinten gibt es neben Stauraum für Gepäck sogar noch einen zweiten Sitz. Es handelt sich hierbei um eine reine Projektstudie. Eine Herstellung des Rades ist laut Pressemeldungen wohl nicht geplant. Schaeffler möchte mit dem Projekt u.a. zeigen, wie sich das Unternehmen die urbane Mobilität der Zukunft vorstellt und es geht um gezeigte Umsetzungskompetenz im Projektbereich. In der verfassten Kurzstudie zum Thema gibt das Unternehmen zu bedenken, das sich solche urbanen Mobilitätskonzepte in der Zukunft durchaus durchsetzen können. Voraussetzung wäre allerdings, dass für den Radverkehr die entsprechende Infrastruktur geschaffen wird.

weitere Projektinformationen: Fact Sheet XXL Micromobilität Bio-Hybrid

Das Fahrzeug im Test auf Youtube (der Tester ist begeistert):

6. April 2017: Stadtflitzer Uniti aus Schweden

Am 23. März 2017 berichtete ingenieur.de unter der Schlagzeile "Siemens baut in Schweden automatische Fabrik für 50.000 Elektroautos" von einem innovativen Elektroautoprojekt aus Schweden. Und zwar den Uniti als fortschrittlichen Stadtflitzer (Projektseite). Der Projekt von Studierenden der Universität ist mittlerweile als Start-Up organisiert. Das kleine Pendlerfahrzeug besitzt einen Sitz vorne und hinten eine engere Rückbank für bis zu 2 Erwachsene. Bei einem Gewicht von 400 kg besitzt das Stadtfahrzeug eine Motorisierung von 15 kW (in der Spitze bis 40 kW). Die Spitzengeschwindigkeit beträgt 90 bis 120 km/h bei einer angestrebten Reichenweite von 150 bis 300 km (je nach Ausstattung). Des weiteren besitzte das Fahrzeug innovative bedienelemente. U. a. soll auf Pedale verzichtet werden. Ab 2019 werden in einer "vollautomatisierten Industrie-4.0-Fabrik" 50.000 Stück des Fahrzeugs entstehen. Der Stückpreis soll um die 21.000 € liegen.

Was macht macht VW? Nun, die Wolfsburger stellten auf dem Pariser Autosalon 2016 die Elektrostudie "I.D." vor. Das viersitzige KFZ misst 4,14 m in der Länge, hat einen Heckantrieb mit 170 PS und soll 400 bis 600 km Reichweite bieten. Das Modell soll laut "ingenieur.de ab 2020 für 30.000 € im Handel erhältlich sein. Für mich persönlich sieht ein zukünftiger "Volkswagen" allerdings klar anders aus. Schon den Preis von 30.000 € finde ich zu hoch angesetzt. Die heutigen viersitzigen KFZ mit einem Gewicht von 1 bis 1,5 Tonnen Material sind im Pendlerverkehr gerade einmal mit 1,2 Personen auf den Wegen zur Arbeit besetzt. Unten hatte ich ja bereits 2015 skiziert, wie ich mir einen komplakten, zukunftsfägigen E-Flitzer für den Massenmarkt vorstellen könnte. Das Projekt Uniti kommt meinen Anforderungen schon sehr nahe. Mal sehen, wie es mit diesem interessanten Projekt weiter geht.

Während der Volkswagenkonzern weiterhin "4-Personen-Standard-Elektroautos" entwickelt, haben einige VW-Mitarbeiter bereits in den Leichtfahrzeugbereich umgesattelt. Sie fahren nämlich laut Bericht der Wolfburger Allgemeinen vom 3. November 2014 mit dem Sportvelomobil zur Arbeit. Ein Mitarbeiter absolviert sogar fast täglich die längere Strecke zwischen Braunschweig - Wolfsburg per Velomobil. Laut Artikel gibt es am Werk wohl Verkehrsprobleme und mam möchte die Fahrradnutzung auf dem Weg zur Arbeit fördern. 2014 nutzten maximal 2.000 Mitarbeiter des VW-Werks Wolfsburg das Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Mit Stand 2016 berichtet diese Quelle von einem maximalen Radverkehrsanteil von 5,5 % im Werkspendelverkehr. Lokal werden aber sonst 12,6 % aller Wege mit dem Rad zurück gelegt. Es besteht also klar Nachholbedarf.

Mai 2016: Anmerkung zum Thema Kaufprämien

Diesem Thema stehe ich eher kritisch gegenüber. Man kann mit mir natürlich darüber diskutieren. Allerdings nur, wenn dieses Förderinstrument dazu eingesetzt wird, wirklich klar zukunftsfähige Elektromobilität zu fördern. Aktuell ist das leider nicht der Fall. Bis zu 60.000 € Fördersumme für ein E-Auto sind schon einmal viel zu hoch gegriffen. Dieser Wert sollte bei maximal 30.000 € bis 35.000 € gedeckelt werden. Und Hybridfahrzeuge würde ich überhaupt nicht fördern. Ziel sollte es sein, möglichst nur kleine, leichte Elektroautos bis maximal zur unteren Mittelklasse zu fördern. Deshalb wäre die Festlegung eines maximalen Fördergewichtes sehr sinnvoll. Das es im Bereich der urbanen, zukunftsfähigen Kleinelektrowagen für Stadt-Umland-Pendler aktuell natürlich nur wenig Angebot gibt, ist klar. Es liegt in meinen Augen an der Industrie das zu ändern. Ziel sollte es vor allem sein, mit solch einem Förderinstrument Fahrzeuge zu fördern, die es heute fast noch nicht zu kaufen gibt, die aber heute bereits technisch machbar wären.

Sonst bleibt noch anzumerken, das beispielsweise das energie- und materialsparende Twike als Leichtfahrzeug nicht unter die Kaufprämie fällt. Das selbe gilt für den Renault Twizy. Eine Kaufprämie für die Förderung wirklich zukunftsfähiger Elektromobilität ist die aktuelle deutsche Regelung also nicht.

Sehenswert vom Sommer 2015:

Die Story im Ersten: Das Märchen von der Elektro-Mobilität

Das es bei der Einführung der "Elektromobilität von oben her" in Deutschland massiv stockt ist für mich keine neue Erkenntnis. Die aktuelle ARD-Reportage vom 10. August 2015 zeigt sehr schön die aktuellen Probleme des angeblich angestrebten deutschen "Leitmarktes" für Elektromobilität (Video noch bis 10. August 2016 im Netz).

Aber wie auch schon in der Einleitung zum Radverkehr geschrieben, ist es mit einer auf Elektromobilität umgestellten herkömmlichen PKW-Flotte natürlich nicht getan. Warum? Auch Elektroautos haben nicht automatisch eine bedeutend bessere Umweltbilanz (siehe z. B. Artikel auf derwesten.de "Forscher warnen: Auch Elektroautos belasten die Umwelt" vom 3. August 2015 bzw. auch Focus Online vom 2. September). Welches Fahrzeugkonzept hätte als Elektrofahrzeug evtl. eine bessere Ökobilanz als ein "Standard-PKW-1,5-Tonnen-Elektroauto"? Vielleicht zum Beispiel der ausgefallene i-Road aus Japan. Bei seiner Entwicklung hat man es geschafft sich klar vom herkömmlichen, vier Personen fassenden Standard-PKW zu lösen.

Beispielsweise so stelle ich mir zukunftsfähige, urbane Mobilität als Stadtfahrzeug vor! Ob und wann der i-Road in Serie geht ist mit Stand 21.09.2015 unklar. In Grenoble befindet sich das Fahrzeug seit 2014 in einem 3-jährigen Feldversuch. Im Rahmen eines Pilotprojekts für ein städtisches Elektrofahrzeug-Verleihsystem können in der französischen Alpenstadt 35 I-Roads von jedermann gemietet werden. Im Segment der E-Kabinenroller gibt es sonst auch noch den vierrädrigen Renault Twizy in Serie (eher nicht so mein Fall). Bereits 2011 stellte VW auf der IAA als urbanes Konzeptauto für eine Person den "Nils" vor. Beim Forschungsfahrzeug ist es bisher allerdings geblieben.

Seit Ende September 2015 ist VW mit seiner Dieselaffäre beschäftigt. Wie könnte VW das verlorene Vertrauen evtl. nachhaltig zurückgewinnen? In dem der Konzern z. B. zügig zeigt, dass er fähig ist einen zukunftsfähigen Volkswagen für jedermann herzustellen: Nämlich ein kompaktes, leichtes und windschnittiges (geringe Querschnittsfläche und guter Cw-Wert) 1+2 Personen-Elektroauto für Pendler und den urbanem Raum: Ein komfortabler Einzelsitz vorne mit guter Übersicht nach links und rechts, 2 Türen, hinten eine kompakte Bank für 2 Erwachsene + kleiner Kofferraum mit Heckklappe. Falls man mal zum Baumarkt möchte, sollte die hintere Bank komplett herausnehmbar sein. Sonstige Fahrzeugeckdaten: 4-Räder, Gewicht 500 bis max. 750 kg in der Grundausstattung mit 100 km Akkureichweite. Wer mehr Reichweite möchte, sollte optional weitere Akkupacks dazu kaufen/ bzw. dazu mieten können. 300 bis 400 km Reichweite sollten mit solch einem windschnittigen Fahrzeug schon möglich sein (falls der Kaufer das eben wünscht und das Geld dafür ausgeben möchte). Einstiegspreis in der Grundreichweite deutlich unter 20.000 €. Jetzt werden manche sagen: Halt es gibt doch schon den "VW E-up! " zu kaufen! Das stimmt. Nur beginnt der Listenpreis hier laut Wikipedia bei 26.900 €. Und für diesen Preis besitzt der Wagen wohl real gerade mal eine Reichweite von um die 135 km (laut Wikipediaartikel hat VW als Reichweite real 120 bis 160 km bestätigt). Ferner bringt er als Kleinstwagen schon 1214 kg auf die Waage. Der VW up mit Verbrennungsmotor ist übrigens als Neuwagen im Netz schon unter 10.000 € erhältlich. Das kleine, kompakte Stadtelektroautos bereits heute technisch/wirtschaftlich machbar sind, hat beispielsweise die TU München in ihrem Forschungsprojekt Visio.M versucht aufzuzeigen.

Warum kommt ein solch innovativer Prototyp für die neue Stadtmobilität, wie der I-Road, aus Japan und nicht aus Deutschland? Na ja... mit Stand August 2015 ist Japan führend bei der Herstellung von Elektrofahrzeugen. Auf der Herstellerseite liegt Deutschland auf Platz 3 hinter China und auf der Marktseite sogar nur auf Platz 10.

Natürlich gibt es mittlerweile auch den klassischen Roller als Elektrofahrzeug. Hier findet sich z. B. auf sueddeutsche.de ein Testbericht zum Elektroroller Unu. Der Elektroroller ist ein Produkt eines Berliner Startup-Unternehmens. Er wird laut diesem Artikel in China hergestellt und im Direktvertrieb vermarktet. Ebenfalls in Berlin bietet ein anderes Startup einen Elektroroller-Verleih im öffentlichen Raum via App an. Elektroroller bzw. E-Kabinenroller werden im nachhaltigen Stadtverkehr der Zukunft sicher ihren Platz finden.

Sonst gibt es bereits seit 20 Jahren das Twike - wobei wir wieder beim Thema Fahrrad wären. Denn das Twike ist eine Mischung aus Liegerad und KFZ. Ursprünglich in der Schweiz entwickelt und auch hergestellt wird es mittlerweile in absoluter Miniserie im hessischen Rosenthal nördlich Marburg gefertigt. Der in der aufwendigen Werkstattfertigung sicher gerechtfertigte Preis verhindert aber auch nach 20 Jahren eine größere Verbreitung des Fahrzeugs. Ein Reichweitenproblem hat dagegen das sparsame Twike schon lange nicht mehr. Wer zusätzlich das entsprechende "Kleingeld" hinlegt erhält einen Akku, der 450 km bis sogar maximal 600 km Reichweite besitzt. Aktuell wird das Twike der 5. Generation mit sehr sportlichem Fahrwerk entwickelt (technische Daten Twike 3 <-> Twike 5 im Vergleich). Probefahrt mit Twike 617 (sehr wahrscheinlich Fahrzeugtyp Twike 3) auf Youtube. Schon das spezielle Einsteigen mit Tritt auf den Fahrzeugrahmen will geübt sein. Das Twike ist eben ein Fahrzeug mit eigenem Stil. ;-) Herstellerseite.


© Dirk Schmidt 08-04-2017 -> zurück zur Startseite

(falls die Suchmaschine direkt auf diese Unterseite hierher verwiesen hat).